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Konnichiwa Bitches!

Kuss, Kuss – Und was ist Ihr Problem?

22. März 2008

Auf in die letzte Runde. Mein Letzter Eintrag in diesen Block. Mittlerweile sitze ich in meinem alten Jugendzimmer im Haus meiner Eltern in Neustrelitz und habe mich wieder an Deutschland gewöhnt. Japan ist nicht nur geographisch sondern auch gedanklich sehr weit weg. Verschwommen, nicht wirklich real scheinen die Erinnerungen. Die Gedanken an Japan und die Freunde kaum zu fassen und festzuhalten - wie ein Traum. Den Australiern geht es genauso. Japan ist zu einfach verschieden.
Man platzt in sein altes Leben, als wäre man nie weggewesen. Die Dinge sind einen altbekannt und doch kaum noch vertraut. Es dauert eine Weile. Es ist so ruhig bei uns. Man kann so weit sehen. So viel Natur. So viele schöne Häuser. Nur das Essen war in Japan anscheinend doch leichter. Zumindest mein Magen rebelliert des Öfteren. Und wo sind die vielen kurzen Röcke hin? Nicht zu vergessen, die deutsche Freundlichkeit. Kaum einen Schritt gegangen, schon wird man angeschissen. Der Höhepunkt zweifelsohne in Sanssouci: An Eingang und Schlange vorbei zum Eintrittskartenverkauf. In nicht mal 10 Minuten die nächste Führung. Aber wo ist die Schlange hin? Haben die schon ohne uns angefangen? Tür ist abgeschlossen. 2 Rüttler und ein Klopfen öffnen sie dennoch. Ein hochnäsiges Grinsen guckt uns an und fragt: „Und was ist ihr Problem?“ „Wir möchten um 14.20 Uhr die Führung mitmachen.“ „Dann kommen sie auch um 14.20 Uhr.“ Tür zu! In Japan hätte man sich tausende Male Entschuldigt bei uns, dass wir zu früh dran sind. Willkommen in Deutschland! Auf meine Sachen muss ich auch wieder aufpassen. Und auf diese Verrückten die Rechts fahren statt Links.

schneeIst er nicht ein Prachtkerl?!?

Nun aber wieder nach Japan. Meine Gebete wurden erhört und es schneite kräftig. Der Schnee blieb nur einen Tag liegen, aber das war ausreichend für Schneemann und Schneeballschlacht. Für Australier beides zum ersten mal in ihrem Leben. Eine letzte „Nomikai“ (Trinkgelage) wurde noch mir und allen anderen zu Ehren, die Kofu verließen, veranstaltet. Ich wollte nicht viel Trinken und am Ende geschah es doch. Mein Tisch hatte soviel bestellt, dass als alle los wollten noch eine Menge auf dem Tisch stand. Also ab ging’s: wechselnd nach links und rechts zu dem der gerade dort stand „Kanpai!“ (Prost). Ich konnte es doch nicht einfach stehen lassen.

nomikaiSchön war’s… :-(

Viel Zeit blieb mir nicht bis zum nächsten Besuch, der gemeinsam mit mir meine letzten 14 Tage in Japan verbringen sollte. Die Woche vorher verbrachte ich damit meinen Vortrag für die Uni vorzubereiten. Fertig wurde ich leider nicht.
Die ersten Tage blieben wir gleich in Tokyo. Tobi wusste im Riesenrad mit seiner Höhenangst zu gefallen, während man dank des schlechten Wetters nur 100m gucken konnte. Nervöses auf dem Boden Gucken und Rumgezucke waren die Folge. Später in Hakone in den zahlreichen Liften sollte es noch lustiger werden. Einzige Neuheit für mich war Ikebukoro. Ein aufstrebender Shopping Stadtteil von Tokyo. Mitten drin Sunshine 60, ein völlig überdimensionierter Einkaufsjungle, bestehend aus 3 riesen Gebäuden mit unzähligen Stockwerken. Da fällt mir ein, etwas war noch neu: vor jeder Sehenswürdigkeit wurde eine Einkaufstüte und eine Zeitung ausgepackt und mit auf dem Foto platziert. Selbst in Japan fällt man damit auf. Wehe ihr gewinnt nix mit den Bildern!!!
Highlight der Reise war für mich eindeutig ein Abend in einem Izakaya. Neben uns ein japanisches Pärchen, wobei er gut am trinken war. Nach einer Weile bemerkte ich, wie er zu uns rüber schielte. Oh nein! Wer hat den großen, blonden Typen bloß mitgenommen! Der erste Kommentar kam dann auch kurze Zeit später. „Nice guy!“ Es ist schwierig zu beschreiben, was alles passierte bis ihr Tisch neben unseren stand. Es gehört auf jeden Fall eine Menge Bier und Pflaumenwein für die Mädels dazu. Sein Englisch hielt sich in Grenzen und so waren 90% seiner Aussagen „Nice guy!“, „Long Nose!“ (was einen den ganzen Urlaub währenden Streit zwischen Tina und Tobi auslöste), „Nice Girl!“, „Beautiful face!”, „Cool Guy!“ und „Big boobs!“ hatten wir ihm beigebracht, da er von Tinas engem Oberteil doch sehr angetan war. Als er merkte, dass ich Japanisch spreche war das Eis ganz gebrochen (zumindest für ihn) und er rückte seinen Tisch an den unseren. Wir waren zusammen mit dem Pärchen gegen halb 1 schon die letzten als sie sich zu uns setzten. Drei Stunden hatte er uns noch immer unterhalten und weitergetrunken (mit uns). Das Mädel war übrigens völlig nüchtern und hat ihn wie eine kleine Schwester angemeckert und sich natürlich permanent entschuldigt. Jeder der schon ein paar Anime gesehen hat kennt diesen Ton. Das ist nicht nur Übertreibung im Trickfilm. Die sprechen wirklich so! Als sie dann neben uns saßen hatte er nach Tinas Brüsten neue Favoriten gefunden, Tobis Brüste. Japaner sind ja nicht so abweisend gegenüber gleichgeschlechtlichen Berührungen wie Deutsche. In meiner Uni hab ich oft Typen gesehen die sehr fragwürdig waren mit deutschen Augen betrachtet. Nicht Schwul, aber einfach näher dran als es bei uns üblich ist. Tobis Brust wurde abgetastet. Danach war Mandy dran. Nicht die Brust, aber er hätte sie so gern geküsst… Zwischendurch wurden Gläser umgestoßen und zur Toilette geschwankt. Es existiert irgendwo ein Video wo er sagt „Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen“. Ich hoffe ich finde noch heraus wer es aufgenommen hat. Aus Prost wurde passender Weise auch Kuss, Kuss. Ich finde die Worte liegen schon ‘nen Stück auseinander. Komischer Weise ist er nicht der einzige Japaner, dem ich Prost beigebracht habe und der stattdessen Kuss gesagt hat. Vielleicht doch alle schwul. ;-) Den Kuss konnte er Mandy übrigens bei der Verabschiedung doch aufdrücken.

kuss kuss
Der Tisch wurde regelmäig abgeräumt. Nicht täuschen lassen.

Montag kamen wir in Kofu an. Dienstag war großer Abschlusstest, der aber eh nur existierte damit wir einen Test am Ende haben. Den Schein bekamen alle. Auch ich, der die 50% nicht erreichte. Mit irgendwas über 45 war ich aber um einiges näher dran als ich vorher mir erhofft hatte. Blieb immer noch der Vortrag, der mir keine freie Sekunde lies. Morgens hoch, Vortrag schreiben, ab zu Freunden, nachts nach Hause, schlafen, morgens hoch. Ohne mich schaffte dieses faule Pack es auch immer nur bis zum Supermarkt (50m entfernt) und wieder zurück. Einen Tagestrip nach Matsumoto zur Burg konnten wir dennoch gemeinsam bewältigen. Hübsch anzusehen die Burg, jedoch so klein, dass man schon enttäuscht war. Da ist die Burg in Himeji ja fünfmal so groß – mit Mauern 10mal.
Am nächsten Abend machten wir uns mit 3 Literbüchsen Bier im Gepäck auf in die Berge zum Rutemboro (Außen Onsen:-)). Beim Umziehen hatte mich ein alter Mann gefragt wo wir herkommen und sich entschuldigt, er wäre schon betrunken, weil er so viel gesoffen hätte. Gut – nichts anderes hatten wir vor. Tobi war vorher schon nicht mehr zurechnungsfähig. Nachdem ich noch einmal darauf hingewiesen hatte die Klolatschen bitte auf Klo zu lassen, ging er samt Klolatschen erstmal duschen. Als er es merkte wurden sie triefend nass zurück auf Toilette befördert. Lecker, der nächste freut sich! Danach war erstmal warten angesagt, da draußen alles belegt war. Als wir dann endlich das äußere Bad eingenommen hatten war drinnen der Weg versperrt zum Bier holen. Schmuggler Jörn hatte es jedoch tollkühn fertig gebracht uns das Bier zu bringen.
Freitags war endlich Vortragszeit mit anschließender „Nie-wieder-Japanischunterricht-Zeremonie“. Wo geht man nach so einem geschichtsträchtigen Moment hin? Genau! Einen trinken! Die nächste kleine Bar, war mehr ein Café von einem sehr netten Ehepaar, welches wir schon vorher durch Besuche kannten. Meine deutschen Freunde warteten draußen. Und sie erwiesen sich als sehr gute Freunde. Zum Café lief man nämlich 2 Minuten und da braucht man schon Wegzehrung. Ein Bier und ein Eis wurden mir ausgehändigt. Vielen Dank Heike, Tina, Tobi, Jörn, Mandy! Normalerweise hat das kleine Café maximal 3, 4 Gäste gleichzeitig. Wir sind mit 12 Leuten und mehr angerückt. Zum ersten Mal in meinem Leben hab ich ‘nen Laden leergesoffen. Nach einer Runde Bier + 2 Bier und einer Runde Rum-Cola war Schluss. Kein Alkohol mehr da. Eine Bar leergesoffen - das kann nicht jeder von sich behaupten!
Eine kleine 3-Tagesrundesreise nach Kamakura, Hakone und Fujisan war geplant und wurde auch knallhart bis zum letzten Bus durchgezogen. Dazu gleich mehr.
Jedes neue Quartier wurde von unserer ständig Tüten tragenden Mutti Mandy inspiziert und sauber gehalten. Jeder, der sich widersetzte oder sie um ihre wohl verdienten Schlaf bringen wollte wurde geköpft. Man durfte sich aber den Zeitpunkt der Enthauptung gnädiger Weise aussuchen: „Willste gleich eine jewischt haben oda späta?!?“ Gefährlich wurde es auch, wenn Mutti nicht satt wurde.
Die Zugfahrten warn immer gleich: die beiden Pärchen knutschten und kuschelten um die Wette, wobei Tina&Jörni eindeutig Königin und König der Perversen sind. In Japan ist es nicht normal sich küssend oder eng umschlungen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Man würde sich schämen haben befreundete Japaner mir erklärt. So wurden die vier auch immer genauestens beobachtet.
Am Pazifikstrand in Kamakura sammelten unsere Damen fleißig Muscheln. Als Belohnung hatten sie im „Damenzimmer“ auch keinen Alkoholiker, der sich nachts mit einem halbstündigen Surren in den Schlaf öhhhmmm gesurrt hat. Ich will nicht wissen, was der da veranstaltet hatte! Von Kamakura ging es nach Hakone, absolutes Neuland für mich. Auf der Fahrt entdeckte Tina, dass die Muscheln in ihrer Tüte ihr nicht allein gehörten. Zumindest eine wurde ihr von einem kleinen Krebs streitig gemacht. Der kleine bekam den Namen Archibal (keine Ahnung ob ich den Namen richtig schreibe) und war gleich DIE Attraktion auf der langweiligen Zugfahrt für uns. 6 Ausländer drängeln sich total fasziniert um eine Einkaufstüte und gucken hinein. Sowas haben Japaner garantiert noch nie gesehen. Das war für sie bestimmt noch spannender als das Rumgeknutsche. In Hakone wurde Natur besichtigt. Berge, Seen und Schwefelfelder mit blubbernder Motter und ekligen Dämpfen. Lieblingssouvenir sind schwarze Eier, die ihre Farbe dem Kochen in den schwefelhaltigen heißen Wasserbecken verdanken. Eine ehemals weiße Katze rannte mir über den Weg. Ihr weißes Fell war aber schon mehr gelb als alles andere. Dort war es auch wo Rabenmutter Tina die Tüte wegen eines Apfels stehen lies. Armer Archi! Wir gedenken dir! Auf die Bergspitzen laufen Japaner natürlich nicht, sie lassen sich hochbefördern von Gondeln. Welch ein Spaß mit Tobi. Es existieren Videos, die ich sobald ich in Dresden bin hochladen werde. Ein zitternder Arm greift zu einer Bierdose und führt sie zu einem zähneklappernden Mund. Darüber Augen die verstohlen immer nur kurz zur Seite gucken.

hakone

Während der Rückfahrt nach Kofu wollte ich eigentlich am Fujisan anhalten für ein paar Fotos. Der letzte Bus sollte laut meines veralteten Fahrplans gegen halb 7 fahren. Im neuen wird es auch nich viel anders sein, dachte ich mir. Wir stiegen aus und vor uns hielt gerade ein Bus nach Kofu. Gut gefüllt mit Japanern und alle beobachteten uns. Der Busfahrer sagte schon durch er will abfahren nach Kofu und war dabei die Türen zu schließen. Ich guckte seelenruhig auf den Fahrplan an der Haltestelle, da es ja auch erst kurz nach 5 war. Dann merkte ich es, nach 17 Uhr nochwas fuhr nix mehr nach Kofu. Das ist der letzte. „Rein!“ Indiana Jones hätte es nicht besser und spannender in Szene setzen können. Die Japaner waren sichtlich belustigt. Fast alles Schüler…
Die letzten Tage in Kofu. Das letzte mal Karaoke mit meinen Freunden in Japan, verstärkt durch Engelsstimmchen aus Deutschland. Nur noch einmal Moskau mit englischem und japanischem Akzent hören. Wobei Tobis und Sams „No Limit“ auch gut abging. „Time of my life“ zusammen mit Harshini als letztes Lied…
Der vorletzte Tag war die Hölle. Zu wenig Zeit für zu viele Sachen: Putzen, packen, Handy abmelden, Paket verschicken, Versicherung auflösen, mitfeiern…

karaoke

Ich konnte alles bewältigen, die Feier am Abend konnte mein Geist aber nur noch stark taumelnd realisieren. Ohne Alkohol! Nach oberflächlichen Putzen wurde ich dazu verdonnert so gut wie alles auszubessern. Das Wiegen des Gepäcks musste ich mit einer kleinen Handwaage durchführen. An einem kleinen Haken wurde mein riesen Koffer befestigt. Es kam verständlicher Weise zu Problemen, da die Waage bis 30kg geeicht war und ich bis 32kg packen musste. Zudem noch einige Tüten, die so getragen werden mussten. Insgesamt 25kg Übergepäck. Wozu hat man 5 Freunde die jeder mit hoffentlich 5kg zu wenig nach Hause fliegen wollten. Da allesamt in Tokyo waren um noch einmal Einzukaufen und sich den Fischmarkt anzusehen, konnte ich nur hoffen. Handy abmelden und Versicherung auflösen ging natürlich nicht problemlos. Aber egal, es lief schon irgendwie.
Abends wurde in unserem Wohnheim noch einmal gefeiert. Was aber eindeutig zu viel war für mich. Und dann auch noch auf Japanisch unterhalten. Kurz bevor ich über meine Bett zusammenbrechen wollte überraschten meine Freunde mich mit einer verfrühten Geburtstagstorte. Dann wurd’s endgültig zu viel für mich.
Um 5 Uhr morgens stand ich auf und machte alle anderen wach. Ich bin froh, dass ich so früh aufbrechen musste. Da peilt man noch nicht was um einen rum so passiert. Ich merke gerade, dass ich gelogen habe, an jenen Morgen hörte ich zum letzten Mal Moskau mit englischem Akzent. Zwar unverständlich, aber das ho ho ho ho ho hey war gelungen. Am Bahnhof stand auch noch Ryu, einer meiner besten japanischen Freunde.

cake

Treffpunkt mit den anderen war Tokyo Hbf. Sie standen nicht dort wo sie sollten und ich war ein paar Minütchen zu spät. Scheiße! Nach kurzem Warten sah ich Jörni. Der mich nicht sah und so hetzte ich schwer bepackt hinterher. Die Penner wären tatsächlich ohne mich abgefahren. Im schnellen Schritt ging’s zum Gleis und lockere 3, 4 Minuten kamen wir vor Abfahrt an. Die ganze Zeit in Bars und Cafés rumhocken in Japan, aber dort wird plötzlich Stress gemacht!
In Deutschland stand das dicke Tier schon parat. Mit Tinas Navigationskunst dauerte es auch nur 3h bis wir bei Jörni waren. Bier und Döner und noch vor 12 war ich eingeschlafen.
Für meine Geburtstagsfeier konnte Tobi noch in Japan glücklicher Weise eine Tüte sehr sehr köstlicher Krebse organisieren. Das gab’s für jeden als Appetithäppchen. Sehr lustig! Das war auch das ekligste was ich je gegessen habe. Krebse, so wie sie sind mit irgendwas überzogen. Man beißt rauf, schmeckt die Verwesung und gleichzeitig steigt einen auch der Geruch aus dem eigenen Mund in die Nase. Zumindest kann man sich am Nebenmann rächen, falls er zu sehr lachen sollte. Einfach anhauchen. Die Krebse sind ein würdiger Abschluss für diesen Blog. In diesem Sinne:
返ったBitches!

Hier kommt die Maus!

22. Januar 2008

Wieder einmal hinkt dieser Blog meinem rasanten Lebensstil hinterher ;)
Da die Höhepunkte euer Auffassungsvermögen übersteigen würden, werde ich nur die langweiligsten Sachen hier niederschreiben um euch nicht zu überlasten.
Anfang Dezember kam erneut das Beste, was der Weltvereinsfußball zu bieten hatte nach Japan um nach dem Weltmeistertitel zu greifen. Fußballriesen wie Sepahan Isfahan (Iran), Waitakere United (Neuseeland), Étoile Sportive du Sahel (Tunesien), CF Pachuca (Mexiko) und Urawa Red Diamonds (Japan) wollte ich mir natürlich nicht unbedingt antun. Wenn, dann das 99,9%ige Finale AC Mailand gegen Boca Juniors Buenos Aires. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko von 0,01% sprach dagegen, aber mutig wie ich bin… Leider sprachen, wie sich bald rausstellte, noch viele andere Dinge dagegen, dass ich das Spiel sehe. Und zwar 73.237 Japaner, die mir innerhalb von einer viertel Stunde sämtliche Tickets weggekauft hatten. Dennoch machte ich mich mit Freunden am Finaltag auf Richtung Finalspielort Yokohama.

stadion
Einmal dem Stadion winken aus dem Zug heraus war drin.

Ziel an diesem Tag war aber die Chinatown von Yokohama. Etwas enttäuschend und so hielten wir uns dort nicht lang auf. Am Hafen entlang ging’s zum Stadtzentrum. Glücklicher Weise kreuzte eine Eisfläche unseren Weg. Eine sehr vielversprechende Kombination: 4 Australier und ein mit Schlittschuhläufern völlig überfülltes Eis. Was mag dabei nur rauskommen? Ich frag mich warum Briten kein Wort für Schadenfreude haben?!? Wie kann man ohne dieses herrliche Wort nur leben!
Die Australierinnen gaben die komischsten Geräusche in den merkwürdigsten Frequenzen ab - der einzige der auf die Fresse geflogen ist, war am Ende aber ich. Die „netten“ Eiskunstlaufschlittschuhe mit ihren Zacken an den Kufen können ganz schön schnell stoppen. Ich wurde sehr innig erinnert, warum ich immer Eishockeyschlittschuhe benutze. Danach gab’s noch Achterbahnfahren zwischen Wolkenkratzern und Weltpokalfinale in der Elektronikabteilung eines Kaufhauses gucken, weil keine Sportbar auszumachen war. Und tschüs Yokohama.

riesenrad
Riesenrad des Vergnügungsparks mitten im Zentrum von Yokohama

Weihnachten in Japan war mal eine Erfahrung, aber bitte nicht wieder. Vielen Dank an dieser Stelle an alle Paketversender. Ich habe mich sehr gefreut! In den Kaufhäusern dudelten anstelle von nervigen Werbeliedern nervige Versionen von Weihnachtsliedern um die Wette. Überall hingen Lichterketten. An Kitsch wohl nur von Amerikanern übertroffen. Das schlimmste war eine metergroße „Hello Kitty“ an den Wänden einer Burg. Wenn ich mich recht erinnere kommt der Erfinder von „Kittysan“ sogar aus Kofu oder zumindest meiner Präfektur Yamanashi. Vielen Dank für den Dreck du Arsch! Die Kinder bekommen in Japan wie bei uns Geschenke vom Weihnachtsmann. Die Familie macht ein Festessen und dann war’s das. Wird das Kind älter geht’s aber nicht mehr um Geschenke vom Weihnachtsmann, sondern um Geschenke für den/die Angebetete(n). Heilig Abend ist der Tag im Jahr, wo man eine Verabredung haben muss. Diese endet das eine oder andere Mal auch im Liebeshotel. Die Dinger gibt’s an jeder Ecke. Sie werden aber nicht nur zum Liebemachen verwendet, sondern auch von normalen Freunden für z.B. Karaoke. Auch eine Möglichkeit „das Fest der Liebe“ zu gestalten. Wer keine Lust hat dem anderen Geschlecht hinterherzujagen trifft sich einfach mit Freunden in einer Bar und torkelt irgendwann nach Hause. Besinnlichkeit im Familienkreis sucht man vergebens. Das ist eher zu Silvester der Fall.
Ab dem 22.12. waren 4 Freunde aus Deutschland zu Gast. Einer von ihnen hatte gleich am deutschen Zoll die ersten Probleme. Messer und Wodka gehören auch nicht zu den Dingen, die man mit ins Flugzeug nehmen sollte. Zoll war auch vor der Rückkehr Thema Nummer eins bei ihm. Wer sich für ‘n paar hundert Euro ein Schwert, dazu ein Ipod und irgendwelche Drachen „duty free“ kauft wird nicht gerade mit einen sehr schlanken Reisepass zurückkehren. Da platzt so mancher Freibetrag. (Achtung Insider:) Da hilft es auch nicht, wenn man Japanern ins Bild springt oder ihnen laut HELLO aus 5cm ins Ohr brüllt. *hehe*
Die ersten Tage übernachteten wir bei Bekannten. Eine kurze Unterhaltung über chinesische Sternzeichen machte mir sehr schnell klar wie gefährlich es dort war. Welches Sternzeichen man ist, hängt von dem Geburtsjahr ab. Als 83er bin ich Wildschwein in China, Japan und wer weiß wo noch. Meine Freunde waren 82 -> Hund, 81 -> Huhn und 80 Affe. Da saßen wir nun beisammen: Hund, Huhn, Affe und Wildschwein. Zwischen lauter Drachen und Schlangen. Zum Glück überlebten wir es. Am 24. gab’s eine Weihnachtsfeier in meinem Wohnheim und dann ging’s auf Reisen: Nagoya, Kyoto, Himeji, Hiroshima und Tokyo.

jo
“Yo” während der Weihnachtsfeier

Etwas ärgerlich war der Umstand, dass in Kyoto, Himeji und Hiroshima wegen Ferien einiges geschlossen war. Zudem war meine Vermutung, dass es überall auf der Nordhalbkugel wärmer wird, wenn man nach Süden fährt auch nicht ganz so korrekt. Ab in den Süden kann man also so nicht stehen lassen. Der Europäer vermisst sehr schnell seinen Golfstrom, wenn er im Winter an der Japanischen Pazifikküste steht.
Kyoto war natürlich wieder sehr schön. Zu meiner Freude hat es allen gefallen. Die Art und Weise war aber merkwürdig unterschiedlich. 3 meiner Freunde verhielten sich sehr normal und bestaunten die Tempel, während der vierte mit den Rücken dazu stand, nur ins Wasser starrte und Fotos davon machte. Koi-Karpfen sind keine Seltenheit in Japan. Die schwimmen in jedem mittelgroßen Dorfteich rum. Ich glaube er hat jeden einzelnen von ihnen fotografiert.
In Himeji wurde nur ein kleiner Zwischenstopp eingelegt, da dort die größte Burg Japans steht. Leider geschlossen. Aber auch von außen sehr hübsch und auch so mancher Fisch im Burggraben. So hatte jeder etwas davon.
In Hiroshima konnte ich nach Matsushima und Amanohashidate die letzte der drei Schönsten „Ansichten“ Japans bestaunen. Ein Torii (Schreintor) im Meer und ein Schrein auf Pfählen über dem Meer errichtet. Da es der 31.12. war kamen wir zusätzlich in den Genuss ein Feuerfest sehen zu dürfen. Verschiedenste Gruppen rannten auf Socken und mit bis zu 5 Meter langen und 80-90cm dicken Fackeln durch die Gegend. Die hintersten Fackelträger hatten glaube ich danach alle Glatze. Damit es nicht langweilig wurde, drehten die sich ab und an wie wild mit ihrer Fackel im Kreis oder versuchten sie aufzurichten. Nach dem Spektakel ging es erstmal nach Hause um sich für die Silvesternacht vorzubereiten.

feuer
Wat soll man dazu noch sagen?

Um einen möglichst kurzen Weg zu haben, gingen wir vor unserem Schreinbesuch (Japaner gehen zu Silvester zu Tempeln und Schreinen um zu beten) zu der nächstgelegenen Bar, die auf der Touristenkarte eingezeichnet war. Angekommen an der Bar, sahen wir, dass wir nichts sahen. Keine Bar. Nicht einmal etwas, was wie eine geschlossene Bar aussah. Ein Japaner meinte sie wäre schon länger dicht. Tolle Wurst! Unsere Ohren vernahmen glücklicher Weise Livemusik. Zwar 60er, 70er Rock, aber es hörte sich nach ‘ner guten Feier an. Unten stand ein Schild: „We have Beer. We have Food. Come in!“ oder ähnlich. Also ab rein da. Als wir eintraten wurde es plötzlich sehr still. Die Bar war nur ca. 20-30qm groß und mit ca. 10 Japanern gefüllt. Da machen 5 Ausländer sehr viel Eindruck. Alle sahen uns an - auch die Band. Die Gesichter sahen aber nur erstaunt und nicht böse aus. Wat soll’s – sind wir halt in ne Silvesterfete von ‘ner Band in ihrer Stammkneipe mit ihren Freunden und Angehörigen reingeplatzt. Bier, hingesetzt und weiter ging’s. Ging gut ab. Die Musiker hatten was drauf und die Sängerin hatte eine Bluesstimme, wie ich es für die oftmals doch sehr rumquiekenden Japanerinnen nie für möglich gehalten hätte. Der Bassist führe uns in der Pause auch ein paar Kunststückchen vor, die wir nachmachen sollten. Natürlich hat er uns verarscht. Seine Verrenkungen wiederholte er danach sogar noch mal sehr langsam für uns, ich hab trotzdem den Trick nicht rausbekommen. Als ich auf Toilette war, hörte Bruno die magischen Worte, die ich schon von vielen Japanern gehört habe: „Ich liebe dich“. Viele ältere Japaner hatten in ihren jungen Jahren Deutsch und das ist der Satz der meistens hängen bleibt. Am Schrein waren mehrere tausend Menschen versammelt. Wir waren aber die einzigen (außer ein paar hysterischen Mädels) die runter gezählt und angestoßen haben. Alle anderen standen brav in der Schlange um zu beten. Übrigens ist dieses Jahr, das Jahr der Maus. Neugeborene sind also allesamt Mäuse. Unser Lied des Abends war dadurch natürlich: „Hier kommt die Maus“. Sämtliche Schreine und Tempel, die wir in den nächsten Tagen besichtigten waren ebenfalls stark überfüllt. Gegen halb 2 suchten wir eine Bar für einen Abschlusstrunk. Jedoch sagte man uns überall man schließe gleich. Nur eine Ausländerbar wollte uns noch rein lassen, aber 15€ waren uns dann noch zu viel für ein bis zwei Stunden. Nach einen interessanten Tag leider ein ungelungener Abschluss. Moment, der wahre „Abschluss“ war der „Wiedereintritt“ in die Jugendherbersatmosphäre. Um 1 war nämlich Feierabend und Tür zu. Wir, allesamt Füchse, hatten natürlich vorgesorgt und das Fenster in unserem Raum offengelassen. Zusammen mit einer Notfalltreppe direkt vor unserem Fenster war das schon was wert. Vorher musste noch ein Zaun überwunden und sich vor eventuellen Hunden gefürchtet werden. Natürlich hatten wir vorgesorgt und unseren handlichen Zweimeterglatzkopf dabei. Falls dort Hunde waren, haben sie sich nicht raus getraut. Am nächsten Tag sahen wir uns noch den Abwurfort der Atombombe an. Es war sehr bizarr daran zu denken, was dort 45 geschehen ist. Man steht da, guckt nach oben, dann sieht man sich um und versucht zu begreifen, dass alles was man sieht innerhalb von wenigen Sekunden den Erdboden gleich gemacht wurde. Alle Gebäude, alle Bäume, alle Menschen. Ich konnte das Ausmaß nicht erfassen. Es ist wohl auch besser so.
Tokyo war für mich wie immer. Ich habe oft genug darüber geschrieben. Am letzten Abend war für meine Freunde Karaoke angesagt. Natürlich wollten sie nicht. ABER sie MUSSTEN!!! Und zum ersten Mal habe ich es ein wenig bereut. Und zwar immer wenn eine spezielle Person am Mikrofon war. Berühmt durch Vorträge im Musikunterricht, bei denen Zuschauer rausgeschickt werden mussten, da sie sich vor Begeisterung nicht mehr halten konnten. Eventuell war es auch vor Lachen… ;)
Kein Takt, keine Tonlage, aber in einem sehr sehr begabt: Lautstärke.
Vielen Dank für euren Besuch Ina, Litti, Bruno und Fischi.
Letztes Wochenende war ich mit einer Freundin (Keiko) und ihrer Freundin in einem Freizeitpark am Fuße des Fujisan. Nicht so groß wie deutsche Freizeitparks, aber für kranke Sachen war trotzdem genug Platz. Eine Achterbahn, die einen auf 172km/h beschleunigte fand ich halb so wild. Es lebe die deutsche Autobahn. Das eindeutig schlimmste war eine andere Achterbahn, bei der die Sitze sich um die eigene Achse drehten. Man wurde rückwärts den ersten Berg gaaaaanz langsam hochgezogen. Um anschließend 90° nach unten gejagt zu werden. Zuerst mit den Füßen voran und auf halbem Wege wurde man auf den Kopf gedreht.

Die Fahrt war echt lustig, aber den Berg davor muss ich nicht unbedingt nochmal hoch und erst recht nicht wieder als erster!

Natürlich gab es auch was typisch Japanisches an diesem Park. Jede größere Attraktion hatte ihre eigene kurze Melodie inklusive „Schlachtruf“. Bevor es losging haben die Angestellten den gerufen und die Leute abgeklatscht, die übrigens fleißig mitgesungen und geklatscht haben. Wenn man wieder kam wurde applaudiert und nochmal kurz „gesungen“.
Wer bis hier durchgehalten hat mit lesen muss ein ganz Großer sein! Sensationell Sportsfreund!!!
Noch genau einen Monat bis zur Rückkehr. Komisches Gefühl. Bevor man alles realisiert hat man sich schon längst wieder an den Alltag gewöhnt.
Zum ersten Mal schließe ich mit: bis bald…

2 kleine Geschichten

3. Dezember 2007

Mit dem Beginn des neuen Semesters kamen auch neue Studenten in mein Wohnheim. Zum ersten Mal in meinem Leben freute ich mich einen Franzosen zu sehen. Bei all den negativen Eigenschaften wissen Franzosen wenigstens, wie man sich in einer Küche benimmt und sind in der Lage ihren eigenen Dreck weg zu räumen. Diese Eigenschaften spreche ich Chinesen vollständig ab. Zumindest allen männlichen Exemplaren. Also insgesamt ein guter Tausch - Chinese gegen Franzose. ;)
Zudem sind Engländer sehr praktisch, wenn sich ihre Fußballmannschaft nicht für die EM 2008 qualifiziert. *hehe*
Wo ich schon mal bei praktisch bin. Prima macht sich auch ein jung gebliebener Deutschprofessor, der sein Deutsch verbessern möchte, indem er deutsche Studenten jede Woche in Kneipen, Bars und Restaurants einlädt. Ich glaub die höchste Rechnung war 120€ zu viert.

ma
Besagter Professor

Nun aber zu dem Teil, der die Überschrift rechtfertigen soll:
Sam, einer der Engländer, war bereits letztes Jahr mit einem Freund einmal in Japan. In Tokyo ereignete sich folgendes: Gerade angekommen, trafen die beiden auch schon auf andere Ausländer, die sie zum Karaoke einluden. Durchaus üblich sind all-you-can-drink Angebote in Karaokebars. Natürlich wurde das mitgenommen. Nach einigen Stunden und voll wie 10 Russen machte sich Sam ohne Freund auf den Heimweg. Kurz vor dem Hotel entschloss er sich umzudrehen um den Freund zu holen. Dieser war aber nicht mehr dort. Also wieder zurück zum Hotel. Dort lag der Freund in seinem Bett und schlief. Als Sam morgens aufwachte, war der Freund nicht mehr da. Nur ein Zettel auf dem stand, dass er noch mal los musste und bald zurück kommt.
Der Freund kam nicht, dafür ein Anruf.
Von der Polizei.
Der Freund wäre bei einem Einbruch erwischt worden. Und zwar in die Britische Botschaft. Er hing wohl grad mitten auf der Mauer, als man ihm fand. Geld, Ausweise etc. verloren. Der Freund konnte man sich an nichts mehr erinnern. Sam vermutet, dass er in ein Taxi gestiegen und dem Fahrer gesagt hat „England please“ oder „Home please“. Möglich wäre aber auch, dass er sich gedacht hat, dass sein Zeug bei der Botschaft abgegeben worden sein musste. Besoffene Engländer halt…
Geschichte 2 hat mir Bob erzählt. Er hat seine Kamera verloren, es aber als er zu Hause ankam glücklicher Weise gleich gemerkt. Also ging’s wieder zurück wo er herkam und der Weg wurde abgesucht. Keine Kamera…
In der nächsten Polizeistation fragte er nach, ob etwas abgegeben worden sei und weil Polizisten in Japan chronisch beschäftigungslos sind, wurde auch fleißig telefoniert. Alles öffentliche was auf dem Weg lag wurde angerufen. Leider wurde bei niemanden etwas abgegeben. Als Bob schon fast zur Tür raus war, kam ein Anruf und tatsächlich hatte jemand eine Digicam gefunden. Als er diese endlich wieder in den eigenen Händen halten konnte, wurden ihm gleich als Bonus ein paar Dokumente überreicht. Der Finder musste ewig lange Fragen beantworten und Felder ausfüllen. Bob musste dies ebenfalls. Danach durfte er mit einem extra dafür vorgesehenen Dokument zum Finder, sich genau nach Vorschrift bedanken und entschuldigen. Nach der Prozedur setzte der Finder sein Wilhelm dann unten drunter und damit ging’s wieder zurück zur Fundbüro. Deutsche Bürokratie wird da garantiert auch noch einmal hinkommen.
Übrigens hat Bob kurze Zeit später seine Kamera wieder verloren. Diesmal aber leider in einer Kneipe, wo viele Ausländer verkehren. Ihr alle wisst, dass er die nie wieder sehen wird…
Zum Schluss noch etwas mehr oder weniger bescheuertes. Mir ist schon vor Ewigkeiten aufgefallen, dass viele Japaner vor ihren Grundstücken Wasserflaschen aufgestellt haben. Manche fast die ganze Grundstücksgrenze lang. Den Grund dafür hat mir vor kurzem meine Lehrerin verraten. Es ist wegen den Katzen. Logisch! Hätt ich auch selber drauf kommen können!!! Oder nicht?!? Ich glaub kein Deutscher könnte einen Zusammenhang herleiten. Japaner glauben, dass die von den Wasserflaschen reflektierten Lichtstrahlen Katzen fernhalten. Diese könnten die Reflexionen nicht ab. Hmmmm… sollen sie glücklich werden damit. Ich für meinen Teil werde allen Leuten mit Flaschen vor dem Haus gegen den Zaun pinkeln. Vielleicht hilft’s gegen Bären. (Meine Mutter ist jetzt bestimmt stolz auf mich.) :)

Der letzte Rest…

30. Oktober 2007

…meines Urlaubs im Schnelldurchlauf.
Von Tokyo ging‘s weiter nach Kamakura. Verschiedenste Tempel, Schreine und Buddhastatuen warteten auf uns. In einem Schrein, der sogar für einen Kriegsgott gebaut wurde, lieferten wir uns einen brutalen, blutigen Kampf. Jeder Zeit hätte er kippen können und wir alle sterben, doch am Ende behielten wir überraschend die Überhand gegen die 6cm große Gottesanbeterin. Es steht so gut wie fest, dass das Video nächstes Jahr für den Oscar in der Kategorie bester Actionfilm ausgezeichnet wird. ;)
@Bruno: Melli hat fremdgeküsst *entsetztsei* In einem Tempel sind wir dem Gott der Glückseligkeit begegnet. Da konnte sie sich nicht zurückhalten. Die Statue sah meiner Meinung nach aber sehr nach ihrem Vater aus. Groß, nicht sooo behaart oben drauf und freudig lachend.

Laut Martins Reiseführer ist Kamakura DER Badeort der Tokyoer. „Weiße Strände…“ (siehe Video). Er hat uns genauestens darüber informiert, bis der Strand in Sichtweite kam. Da wurde es plötzlich sehr sehr still. Irgendwas schien ihn davon überzeugt zu haben, dass er nicht weiterlesen musste. Auf jeden Fall waren es keine weißen Strände! Alles was wir vorfanden war der mit Abstand dreckigste Platz ganz Japans. Man sollte vielleicht auch direkt nach einem Taifun keine Wunder erwarten.
Da Baden ausfiel sind wir gleich auf Nahrungssuche gegangen. An einem deutschen Restaurant konnten die anderen mich nicht vorbeischleifen. Ich fand’s toll wenigstens ansatzweise deutsches Essen zu bekommen. Die anderen waren sooo begeistert, dass der Großteil ihres Gerichts auf meinem Teller landete. Und die herrlich unfreundliche deutsche Bedienung… WIE HAB ICH DAS VERMISST!!! Abends haben wir Hanno und Paolo kennen gelernt (Hanno ist Deutscher, die Heimat Paolos zu erwähnen erübrigt sich wohl…). Nach einigen Bier und einer Abmahnung mussten wir feststellen, dass wir kein Alkohol mehr hatten. Durch eine Runde „Jankenpon“ (Stein, Schere, Papier) wurde bestimmt, dass Lehmi am Hausdrachen vorbei ins Erdgeschoss runter muss um vom Kühlschrank neues Bier zu holen. Bis heute zweifelt er die korrekte Vorgehensweise an und plädiert darauf, dass ich hätte gehen müssen. Sein Pech, wenn er die japanischen Regeln nicht kennt :-)
Trotzdem nochmals Gratulation zur perfekt durchgeführten Biermission. Bei totaler Dunkelheit, ohne ein Geräusch… Sauber Junge!
Nächster Halt Kyoto. DIE Kulturstadt überhaupt in Japan. Mein in Bruchteilen einer Sekunde gezeichnetes Kartenkunstwerk war leider nicht sehr genau und nach ca. einer halben Stunde Umweg und mit Hilfe von Japanern kamen wir doch noch bei unserer Unterkunft an. Melli, die schon einige Tage vorher den Kaufrausch verfallen war, hat die halbe Stadt leer gekauft. Lehmi durfte tragen. :)
In einem alten noch im traditionellen japanischen Stil erhaltenen Stadtteil hatten wir die seltene Gelegenheit einer Geisha zu begegnen. Allerdings kam ich mir sehr schäbig vor. Wie die in Neonfarben gekleideten, dicken „Amitouristen“ der armen Frau hinterher sind sah nicht sehr elegant aus. Ich hoffe die Japaner haben zwischen uns und denen einen deutlichen Unterschied ausmachen können!!! Übrigens waren wir zu dem Zeitpunkt erneut mit Hanno und Paolo unterwegs. Die beiden saßen den ganzen Tag vor einen Schrein rum, den sie so durch Zufallschaosreisetechnik gefunden hatten. Direkt vor 2 Steinen an denen man sein Liebesglück testen kann. Sie stehen 15m auseinander und man muss versuchen mit verschlossenen Augen von einem Stein zum anderen zu kommen. Ich bin natürlich 3m daneben gelandet. Mein Leben verläuft halt eher exponentiell als geradlinig. ;)
Beim goldenen Pavillon wurden wir von einem riesen Schwarm Schulmädchen verfolgt. Als ich sie um ein Foto gebeten habe, wollten sie zuerst nur mich fotografieren. Mit ein wenig Japanisch, Körpereinsatz und langem Staunen kam das Foto von Lehmi, mir und den Mädchen doch noch zustande. :) Wer hat das Foto überhaupt gemacht? Ich will‘s haben!
Melli hat übrigens mindestens 500 Hitachitempel auf unserer Reise gesehen. Natürlich immer schön den Namen fotografiert, damit sie später die Fotos danach zuordnen konnte. Nur leider sinnlos, wenn man bedenkt, dass Hitachi eine japanische Firma ist und wohl nur irgendwas gesponsert hat um seinen Namen auf den Schildern verewigen zu können. :)
Weiter nach Nara. Gleich bei Kyoto, ebenfalls sehr viel Kultur und Tradition. Auf dem Gelände, wo sich die meisten Tempel befinden treiben Reh- und Hirschgangs ihr Unwesen. Keine Scheu vor Menschen und immer auf der Suche nach etwas zu knabbern. Wenn man Futter kauft und sie das mitbekommen, sollte man zusehen so schnell wie möglich das Futter so weit wie möglich wegzuwerfen. Sonst wird man mitgefressen. Ein schrilles „du sollst mich nicht beißen“ könnte auch klappen. Melli ist dadurch gerade so entkommen. Unseren Jägerssohn Lehmi haben wir vorher entwaffnet, damit er kein Massaker veranstalten konnte. In Nara befindet sich übrigens im größten Holzhaus der Welt die größte Buddhastatue Japans und zugleich eine der größten Bronzestatuen der Welt. In dem Video dazu kann man dank des Einsatzes des Einheitslehmanns prima die Größen abschätzen. Der Einheitslehmann zeichnet sich durch seine stetig gleiche Größe aus, die er nur durch härteste Disziplin beim Essen halten kann, indem er immer das gleiche isst. Und zwar eine Schüssel Reis mit Rindfleisch – 2 Wochen lang. (Falls du das liest Lehmi: die korrekte Bezeichnung für dein Essen ist „Gyudon“. Schreib es dir vor deinem nächsten Japantrip auf!) Zudem ist der Einheitslehmann millimetergenau auf einen Lehmi geeicht.
In einer Säule des Gebäudes ist ein Loch, welches die gleiche Größe wie ein Nasenloch der Buddhastatue haben soll. Wer hindurch passt gilt als erleuchtet. Mit Baucheinziehen und etwas Hilfe auf den letzten Zentimetern habe ich es geschafft. Am besten ich steig bei 9Live mit ein als Kartenleger oder so. :)
Nach so viel Kultur sollten als vorletztes einige ruhige Tage am Strand folgen. Amanohashidate hieß das Ziel. Übersetzt „Himmelbrücke“ und eine der 3 schönsten Landschaften Japans. Der Strand war super, die Jugendherberge genial nur das Wetter wollte nicht so recht. Unsere Jugendherberge lag etwas bergauf und von unserem eigenem kleinen „Wintergarten“ konnten wir den herrlichen Ausblick genießen. Als wir ankamen wurden wir von einem Takoyakiverkäufer (Teigbälle mit Oktopus) zum Schiff regelrecht gejagt. Ich hatte keine Chance zu sagen, dass er uns den Weg nicht zeigen musste und wir in Ruhe uns erst diese Seite der Bucht angucken wollten.
Dank des sonnenlosen Wetters habe ich es aber noch geschafft Melli und Lehmi ein Onsenbad zu zeigen. Dort konnte man auch wunderbar miterleben, welche 2 Arten Japaner es gibt. Typ 1, setzt sich neben einen, fragt einen aus, erzählt seine Lebensgeschichte und bietet Hilfe an. Typ 2 ist ein scheiß Rassist. Meidet jeden Kontakt und wenn man sich ins gleiche Becken setzt, steht er auf und geht. Trotzdem war es ein sehr schönes Badehaus.
Letzter Tag – auf nach Kofu. Im Wohnheim wurde erstmal vorgeglüht während man sich gesellschaftstauglich machte. Danach ging’s zum Karaoke von 10 Uhr bis um 3.30 Uhr, da der Bus zum Flughafen eh um 4.15 Uhr fuhr. Natürlich „all you can drink“ um die Stimmchen zu ölen. Mein Favorit: „Barby Girl“ von Martin und Maria. Fast wie das Original. ;)

Vielen Dank für euren Besuch. Ich hatte ne Menge Spaß!
@Lehmi: das nächste Mal singst du ein Lied von Ben Harper. *lach*

Von jungen Rucksackpurschen und Rollkoffertouristen – Woche 2

9. Oktober 2007

Weiter geht’s…
British Airways hatte es doch tatsächlich geschafft Melli und Lehmi ohne große Zwischenfälle mit nur 45min Verspätung in Narita abzuliefern. Der gute alte Wettergott fand das anscheinend zu langweilig und entschloss sich noch am gleichen Tag einen dicken Taifun direkt über Tokyo zu jagen. Da dieser erst abends über uns kam, konnte der Tag noch einigermaßen ausgenutzt werden.
An dieser Stelle muss ich leider erwähnen, dass die jungen dynamischen Rucksackpurschen, Lehmi und meine Wenigkeit, immer wieder durch Rollibomber Melli und die anderen beiden Rollkoffertouristen, Martin und Maria, aufgehalten wurden. Im Laufe der Reise konnten wir noch Martin für unsere Seite gewinnen, allerdings war seine Technik, einfach einen Koffer auf den Rücken zu schnallen, sehr fragwürdig. Nichtsdestotrotz war er so hundertmal agiler als unser Rollibomber. Treppen sind toll oder Melli? :)
An jenen Abend entschloss sich Lehmi, anscheinend Fachmann für sanitäre Anlagen, noch den Spühlkasten auseinanderzunehmen. Den Lümmel hatte ich bei frischer Tat mit den Händen in der Schüssel ertappt. Er ließ sich überreden es sein zu lassen und mit uns weiter zu trinken. Allerdings war das nur Vorwand, denn kurze Zeit später kam er mit Spühlkastendeckel in der Hand aus der Toilette um uns zu zeigen, dass da was nich hinhauen konnte. Ich versuchte ihm zu erklären, dass in Japan die Becken gerne mal halb voll sind mit Wasser und es deshalb noch läuft. Na ja… ich glaube das Klo läuft jetzt exakt nach deutschen Wassersparnormen. Wozu ist man auch Beamter, oder Lehmi? Muss ja alles seinen geregelten Gang gehen, gerade auf Tö! ;)

lehmi
Gas, Wasser, Scheiße Lehmann

Das meiste hatte ich in Tokyo schon gesehen, allerdings war der Fischmarkt komplett neu für mich. Um 6 Uhr morgens machten wir uns auf den Weg und begannen den anstrengendsten Tag der Reise. Der Markt war riesig. Ich glaube wir sind 1,5h dort umhergelaufen und haben vielleicht ¼ gesehen. Riesige Thunfische wurden tiefgefroren zersäbelt, blutige Fische zuckten überall. Kraken, Tintenfische, Unidentifizierbares und und und. Überall wuselten Japaner wie wild und dazwischen stapften in aller Seelenruhe einige westliche Touristen umher. Danach ging es nach Ginza, einen der nobelsten Stadteile Tokyos. Dort befand sich laut Melli auch das erste Kaufhaus, in dem man seine Schuhe ausziehen musste. Das muss eine Frau natürlich sehen! Wir warteten eine gute Stunde bis zur Öffnung. 5 Minuten vorher fand Legastheniker-Melli noch heraus, dass es das erste Kaufhaus Japans war, wo man nicht mehr die Schuhe ausziehen musste. Also völlig uninteressant. Wat soll’s, so konnte ich mich wenigstens ein wenig ausruhen.
Das andere Highlight in Tokyo war für mich das Sumoturnier, welches an unserem letzten Tag in Tokyo begann. Es war lange nicht so eintönig wie ich es befürchtet hatte. Des Öfteren sogar richtig spannend. Kann ich jedem nur empfehlen. Die Sumoringer hatten alle die gleichen Yukata (leichter Kimono) an. Lustiger Weise trugen auch die Verkäufer einheitlichen diesen Yukata. Die beiden Füchse Melli und Lehmi veranlasste das zu glauben, dass ein normaler 1,65 großer 60kg schwerer Japaner ein Sumoschüler sein könnte. Natürlich war er nur ein Verkäufer und während des Fotos haben sich alle anderen im Hintergrund kaum halten können vor Lachen und das will schon was heißen in Japan! Melli (oder Lehmi) ganz stolz im Vordergrund neben dem „mächtigen“ 60kg-Sumokoloss.
Zum Abschluss für Tokyo noch eine kleine traurige Geschichte. Alle Mädels und Hupen bitte jetzt zu den Taschentüchern greifen. In den 20ern wohnte in Shibuya ein Professor. Jetzt bitte noch nicht weinen! Dieser hatten einen kleinen Hund mit dem süßen kleinen Namen Hachiko. Oh Gott, die ersten heulen jetzt bestimmt schon. Über mehrere Jahre fuhr der Herr Professor täglich zur Arbeit und sein kleiner Hund kam jedes Mal allein zum Bahnhof und wartete auf sein Herrchen. Irgendwann starb der Professor leider und so kam sein Hund Tag für Tag zum Bahnhof und wartet vergebens. Hachiko tat dies 11 Jahre lang bis zu seinem eigenen Tod. Um ihn niemals zu vergessen wurde dem Hündchen gleich vor dem Bahnhof eine eigene Statue errichtet. So jetzt aber aufhören ihr Heulbojen!

hachiko
Kleiner tapferer Hund

In den nächsten Tagen ging es weiter nach Kamakura, Kyoto, Nara, Amanohashidate und Kofu.
Die zweite Woche ist hier noch nicht vorbei, aber mein Schreibwille hat mich gerade verlassen.